Essen (2)

Lokale gibt es überall. Straßenküchen auch. Viele Chinesische Wohnungen haben gar keine Küche. Zu Hause gekocht wird eher selten, öfter noch am Land oder in ganz traditionellen Familien. Neben ausufernden Arbeitszeiten sind hier in Beijing auch weite Wege zurückzulegen. 2-3 Stunden mit der U-Bahn sind keine Seltenheit. Wer hat dann noch die Kraft, sich hinzustellen und Essen zuzubereiten?

Futterstandl 😉

Am zweiten Tag ging ich ganz dreist in ein Lokal und fragte mit Gesten, ob ich etwas mitnehmen könne. Ja, kein Problem. Ich sah mir die Karte an und wies auf etwas, was halbwegs vegetarisch aussah.

Erste Frage, nicht nur im Lokal, eigentlich fragt dich das jeder Einheimische, wenn die Rede aufs Essen kommt: „You like it spicy?“ Hm… Ich bin ein kleines Lulu, ich halt scharf nicht so gut aus, da brennt es mir die Mundschleimhaut auf, dass ich nichts mehr schmecke und nur noch leide. Also: „Bu – no“. Große Enttäuschung allerorten, denn die Chinesen lieben es scharf und würzig und werden wohl schon mit einer Hornhaut im Mund geboren. Ich hoffe, ich kann mich daran gewöhnen!

Was ich dann mit heimbrachte, war wohl Wasserspinat mit Bohnen, aber es waren auch Fleischstücke darinnen (Huhn, wie ich hoffe), allerdings mit Knochen. Eine große Überraschung für eine ahnungslose Europäerin! In dem Moment verstand ich, was die Männer, die im Lokal übrigens auch ungeniert rauchen, bei Essen ständig auf den Boden gespuckt hatten. Ja, das ist ganz normal. Nicht in den besseren Restaurants, da spuckt man die Knochen auf einen Teller, aber in einem richtigen Beisl – und das war eins – kümmerts einen nicht, wo man es rauslässt.

Zu späteren Gelegenheiten war ich im Restaurant mit anderen eingeladen, das fand ich richtig toll. Alle Speisen (sehr viele Speisen!!!) werden in die Mitte gestellt, oft auf einen großen Drehteller, dass man sich herholen kann, worauf man gerade Lust hat. Jeder hat einen kleinen Teller, auf den er trenzen kann, und jeder nimmt sich von überall.

Ich war bass erstaunt, denn ich kenne das von Europa so, dass der schnellste Esser beim Teilen die größte Portion erwischt. (Deshalb teile ich mein Essen nicht wahnsinnig gern – ich bin eine langsame Esserin.)

Aber hier ist das anders! Man lässt sich Zeit, man genießt, man plaudert und man schaut, dass man nicht mehr als den sich zustehenden Anteil nimmt! Hier erlebe ich überhaupt viel mehr Gemeinschaftsdenken als ich aus der westlichen Welt kenne. Habe ich schon erwähnt, dass ich China mag? Sehr sogar!

Was in den Schüsseln war? Bei Vielem hatte ich keine Ahnung, aber wenn man eine Auswahl an Speisen bestellt, ist immer auch Gemüse dabei, und das schmeckt sehr gut!

Am Ende blieb noch viel Essen übrig, ich war ganz desperat, aber die Kellnerin brachte unaufgefordert ein paar Plastikbecher und jeder nahm sich noch etwas für zu Hause mit.

Inzwischen kennen ich Lotos- und Yams-Wurzeln, Wasserspinat und rote Süßkartoffeln! Dazu Nüsse und Bohnen – ein Gedicht!

Was ich (noch?) nicht bestellt habe – und ich fürchte, ich werde mich auch nicht darüber trauen – ist die Auswahl an „köstlichen“ Insekten. Sollen ja jetzt auch in Europa ganz groß rauskommen. Ich bin noch nicht soweit…

(aus einer Speisekarte abfotografiert)

 

 

 

 

 

 

 

Übrigens gibt es durchaus auch vegetarische Lokale! Die sind sogar gerade etwas ganz Besonderes und angeblich der letzte Schrei. Das Essen dort ist der Hammer! Aber leider sehr, sehr teuer…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.