Wasser

In Wien oder in Österreich Geborene oder Aufgewachsene werden mich verstehen: Bei uns macht man sich wenig Gedanken über Wasser. Hat man Durst, hält man den Mund unter den Wasserhahn. Schwimmt man in einem See, muss man den Mund nicht fest geschlossen halten, denn bis auf den Neusiedlersee hat jeder Österreichische See Trinkwasserqualität. Was für ein Luxus das ist, wurde mir zum ersten Mal bewusst, als ich mit 12 Jahren das erste Mal im Ausland war (Deutschland). Seitdem ist viel Zeit vergangen, und es gab wohl kaum einen Tag, an dem ich nicht dankbar für das gute Wasser in Wien war.

Dass es in Asien nicht ratsam ist, aus der Leitung zu trinken, war mir klar. In Peking ist es nicht so schlimm wie anderswo. Man kann Zähneputzen und sein Gemüse waschen, ohne seine Gesundheit zu gefährden. Aber trinkbar ist das Wasser nicht. Deshalb gibt es hier einen riesigen Markt für Wasser in Flaschen – was in meinen Augen Plastik, Plastik, Plastik bedeutet. (Der Umgang mit Plastik hier wird später ein eigenes Thema sein.)

Als alte „Alternative“ ist mir das sehr zuwider, deshalb war meine erste Anschaffung ein Wasserkocher. Ich bestellte ihn online und wartete zehn quälende Tage auf ihn – in der Zwischenzeit musste ich mich mit 5-Liter-Flaschen-Wasser und einem schlechten Umweltgewissen herumschlagen. Ganz schlimm war eine Nacht, als der mongolische Sandsturm über Peking hereingebrochen war, man kaum atmen konnte, und ich mitten in der Nacht feststellen musste, dass ich keinen Tropfen Wasser mehr im Haus hatte. Eine interessante Erfahrung, die mein Bewusstsein erweiterte!

Seit ich den Kocher habe, trinke ich auch Leitungswasser – abgekocht und gerne heiß.

Seit 30 Jahren trinke ich leidenschaftlich gern heißes Wasser. Tee ohne Tee, nenne ich es. Wie glücklich war ich, herauszufinden, dass mein Lieblingsgetränk, für das ich in Europa unzählige Male belächelt und für ziemlich abgedreht gehalten wurde, hier in China absolut üblich ist. Wo auch immer man sich befindet, man bekommt heißes Wasser angeboten (oder Tee), und die Chinesen, denen ich begegne freuen sich sehr, dass ich es mag. (Ich freu mich noch mehr, dass ich es bekomme.) Auch im Restaurant ist es kein Problem, wenn man nichts zu trinken bestellt. Heißes Wasser ist immer gratis dabei. I’m loving it!