Unaussprechlich

Man spricht nicht darüber, aber das Thema ist viral und oft dringlich: Wohin mit seinen Verdauungsendprodukten?

Als ich in Helsinki meinen Anschlussflug erwartete, stieß ich in dem nur für Asien bestimmten Teil des Flughafens auf ein extra-luxuriöses Teil, das mir große, wenngleich, wie sich bald herausstellen sollte, durchaus unberechtigte Hoffnungen machte.

Luxustoilette mit Podusche und -föhn
Kindersitz mit Anschnallmöglichkeit

Nach der Landung in Peking allerdings erwartete mich in diesem Land mit höchsten technologischen Standards das hier…

Wohl jede Frau hat schon im Wald ihr Geschäft verrichten müssen und kennt daher die sportliche Herausforderung. Schwieriger als im freien Gelände gestaltet sich jedoch das Zielen. Gleichzeitig muss man darauf achten, seine Kleidung vom unratgefährdeten Untergrund fernzuhalten. Freiwillige Sitzpinkler haben schon herausgefunden, wie sehr ein Strahl an Flüssigkeit sich, am harten Widerstand abprallend, vervielfältigen und streuen kann. Tja, das muss man händeln lernen.

Oft haben Kabinen nur eine Tür bis Schulterhöhe, sodass Blickkontakt mit Genossinnen passiert, während man sich wieder in seine schicke Kleidung hineinwurstelt. Andere Etablissements hingegen besitzen gar keine Türen – ich gestehe, dass ich dort den Blickkontakt tunlichst vermeide.

Auch im Spiegel begegnen sich die Blicke
Tja…

Etwas verstörend finde ich auch die Kombination von Kabinen, bei denen die Rinne quer darunter verläuft. Die erste Nutzerin zeigt, die letzte sieht alles. (Türen gibts in diesem Beispiel auch nicht…)

In China ist es sehr unüblich, Klopapier zur Verfügung zu stellen. Es kommt zwar da und dort vor, aber besser ist es, niemals ohne Tissues aus dem Haus zu gehen. Einmal gab ich einen Workshop in einem abgelegenen historischen Gebäude in den Bergen und hielt unterwegs den Bus bei einem Straßengeschäft an, um mir noch Tissues zu besorgen. Niemand war darüber böse, jeder kennt das Problem. Am selben Tag wurde ich sogar von zwei Damen verlegen um Papier gefragt.

Die Tissues werden übrigens für viele Zwecke eingesetzt, zum Naseputzen genauso wie zum Tischabwischen im Restaurant (da kommt niemand mit einem nassen Fetzen daher…), als Serviette, zum Händeabwischen und natürlich auch für das Unaussprechliche.

Als ich einer Chinesin beichtete, dass meine europäische Schamgrenze beim Thema Toiletten weit überschritten werde, verriet sie mir, dass die Chinesinnen das auch nicht so angenehm finden.

Im Notfall, wenn ich zu müde für Kniebeugen bin oder die Toiletten unter Wasser stehen, tue ich etwas, was ich zu Hause NIE tun würde: Ich flüchte mich aufs Behindertenklo.